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Magen und Magenkrebs

In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Klinikums Bielefeld wird das gesamte Spektrum der operativen Therapie am Magen bei gut- und bösartigen Erkrankungen angeboten.

Mageneingriffe:

  • Laparoskopische Fundoplicatio bei therapieresistentem Mageneingangsbruch
  • Laparoskopische Fundophrenicopexie und Hiatoplastik bei Upside-down Magen
  • Atypische Magenteilresektion offen und laparoskopisch
  • BI/BII-Magenresektion bei gutartiger Erkrankungen
  • Ulkusübernähung am Magen und Duodenum offen und laparoskopisch
  • Totale Gastrektomie mit Lymphadenektomie bei Magen-Karzinom
  • Pyloroplastik bei benigner Magenausgangsstenose
  • Palliative Anlage einer Gastroenterostomie bei tumorbedingter Magenausgangsstenose
  • Palliative Anlage eines Stents bei tumorbedingter Mageneingangsstenose
  • Kombinierte endoskopisch-laparoskopische Resektion bei Magenfrühkarzinom
  • Endoskopische Anlage einer PEG (Magenernährungssonde durch die Bauchdecke)
Eingriffe am Magen

Mitunter finden sich seltsame Fremdkörper im Magen, die in diesem Falle über eine alleinige Magenspiegelung geborgen werden konnten

Der Magen liegt im Oberbauch zwischen Speiseröhre, Leber, Milz, Bauchspeicheldrüse, Zwölffingerdarm und den großen Blutgefäßen des Bauchraums. Haupterkrankungen sind Entzündungen, Geschwüre und bösartige Tumoren. Die wichtigste Diagnostik ist die Magenspiegelung, bei der auch Gewebeproben entnommen werden können. Bei Verdacht auf Bösartigkeit wird oftmals auch eine

  • Sonographie (Ultraschall)
  • Computertomographie (CT)
  • Endosonographie (Ultraschall von innen)
  • Kernspintomographie (MRT)

erforderlich. Alle Untersuchungsmöglichkeiten sind am Klinikum Bielefeld vorhanden.

Bösartige Erkrankungen bedürfen mitunter der chemotherapeutischen Vorbehandlung (s. “Magenkrebs“). Um hierüber entscheiden zu können, ist in einigen Fällen eine orientierende Bauchspiegelung (explorative Laparoskopie) vor der eigentlichen Operation erforderlich. Das gesamte Behandlungskonzept wird dann im interdisziplinären Tumorboard festgelegt (s. „Netzwerk Onkologie“). Patientinnen und Patienten mit Magenkrebs sind deshalb in einer viszeralchirurgischen Abteilung am besten aufgehoben, insbesondere wenn diese über laparoskopische und onkologische Erfahrung verfügt.

Seltene Magentumoren wie der „gastrointestinale Stromatumor“(GIST) können auch laparoskopisch oder im Rendez-vous Verfahren (s. Schlüssellochchirurgie) operativ entfernt werden. Die minimal-invasive Operationstechnik kommt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie auch bei geplatzten Magengeschwüren unter bestimmten Voraussetzungen zum Einsatz und ist immer mit einer geringeren Belastung für die Patientin bzw. den Patienten verbunden.

Magenkrebs (Magenkarzinom)

Epidemiologie
Die Häufigkeit des Magenkarzinoms ist in Deutschland erfreulicherweise rückläufig. Man rechnet mit jährlich etwa 15 Neuerkrankungen pro 100.000 Menschen. Der Erkrankungsgipfel liegt im fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen (2,5 : 1)

Risikofaktoren

  • Ernährungsgewohnheiten (Mangel an frischem Obst und Gemüse; häufiger Verzehr stark gesalzener, gegrillter, gepökelter oder geräucherter Speisen; Alkoholabusus)
  • Nikotinabusus
  • Bakterielle Infektion (Helicobacter pylori)
  • Erhebliche Genveränderungen
  • Perniziöse Anämie
  • Gutartige Magenpolypen (Adenom als Vorstadium eines Karzinoms)


Präoperative Diagnostik
Im Klinikum Bielefeld stehen modernste Untersuchungsmethoden zur Untersuchung des Magens und seiner Funktion zur Verfügung, auch zur Erkennung des Magenfrühkarzinoms.

  • Anamnese (Dysphagie? Völlegefühl? Gewichtsverlust?)
  • Klinische Untersuchung
  • Labor
  • Oesophago-Gastroduodenoskopie (Magenspiegelung) mit Biopsie zur Lokalisation des Tumors und Diagnosesicherung
  • Röntgen-Thorax: Ausschluss Lungenmetastasen
  • Endo-Sonographie: Tumorausdehnung
  • Sonographie und CT des Abdomens
  • ggf. Magnetresonanztomographie.
  • ggf. Diagnostische Bauchspiegelung zum Ausschluss von Leber-/ Bauchfellmetastasen

Praeoperative neo-adjuvante Chemotherapie
Nach Feststellung des Magenkrebses wird das Krankheitsbild individuell in dem wöchentlich stattfindenden onkologischen Arbeitskreis (Tumorboard) besprochen. In bestimmten Fällen kommt die oben erwähnte neo-adjuvante Chemotherapie vor der geplanten operativen Tumorentfernung in Frage, nämlich dann, wenn der Tumor die Magengrenzen bereits überschritten hat und Absiedlungen in tumornahe Lymphknoten gesetzt hat. Durch diese Vorbehandlung können die Ergebnisse der dann folgenden operativen Therapie deutlich verbessert werden.

Tumorbedingte Einengungen der Magenpassage (Stenose) und/oder Blutungen aus dem Tumor sind Gründe für die sofortige Operartion. Je nach Operationsergebnis (histologischer Befund) müsste dann eine (adjuvante) Chemotherapie nachgestellt werden. Bei weit fortgeschrittenem Tumorwachstum kann auch eine alleinige Chemotherapie (palliativ) sinnvoll sein, die über die Onkologische Klinik unseres Hauses und/oder die Onkologische Schwerpunktpraxis am Klinikum Bielefeld durchgeführt werden kann.

Operative Therapie
Der Magen wird komplett bzw. teilweise entfernt und die Kontinuität wird mit dem Dünndarm hergestellt.

Bei sehr weit dünndarmwärts gelegenen Tumoren kann evtl. das obere Magenviertel oder Magenfünftel erhalten bleiben bei gleicher „Radikalität“. Die Mitentfernung der Milz ist nur in Ausnahmefällen erforderlich. Die um den Magen herum gelegenen Lymphknoten werden bei uns standardmäßig mit entfernt (sog. D1- und D2-Lymphadenektomie). Diese Lymphknoten befinden sich am Oberrand der Bauchspeicheldrüse, im Gewebestrang zur Leber und um die großen arteriellen Gefäße der Oberbauchorgane herum. Die Entfernung der Lymphknoten ist wichtig, da sich in ihnen oftmals präoperativ nicht erkannte Metastasen befinden und außerdem der Lymphknotenstatus auch über die Notwendigkeit weiterer postoperativer Therapien entscheidet.

Die Rekonstruktion der Magenpassage erfolgt in der Regel nach vollständiger Gastrektomie durch Anschluss der Speiseröhre an den Dünndarm (Oesophago-Jejunostomie). In der Regel wird dies bei uns in der Technik der End-zu-Seit-Anastomose durchgeführt. Die Bildung eines „Jejunum-Ersatzmagens“ (Bildung eines Magenreservoirs aus Dünndarmschlingen) ist meist nicht erforderlich, da wir durch eigene Untersuchungen zeigen konnten, dass die einfache Dünndarmschlinge etwa 3 Monate postoperativ zu den gleichen funktionellen Ergebnissen führt wie die Anlage eines Jejunum-Ersatzmagens, die technisch aufwendiger und risikoreicher ist.

Allgemein kann festgehalten werden, dass die vollständige Magenentfernung (Gastrektomie) in den Händen eines erfahrenen Teams heute eine gut standardisierte und risikoarme Operation ist, sodass die Probleme beim Magenkrebs weniger in der Therapie als in der Grunderkrankung (Aggressivität des Tumors, Erkennung erst im fortgeschrittenen Stadium) liegen!

Allgemeine postoperative Nachbehandlung

  • Schmerztherapie über einen Katheter im Rückenmarkskanal (PDK)
  • Gastrografin-Schluck Kontrolle zur Überprüfung der Nahtdichtigkeit der Oesophago-Jejunostomie
  • Vorstellung im Onkologischen Arbeitskreis und Planung der evtl. notwendigen adjuvanten Chemotherapie
  • Aufklärung über die Ausdehnung der Tumorerkrankung
  • Ernährungsberatung
  • Aufklärung über die Notwendigkeit der Vitamin-B12-Substitution
  • ggf. Planen einer Anschlussheilbehandlung durch den Sozialdienst
  • Notwendigkeit der regelmäßigen Tumornachsorge