Diese Webseite benutzt Cookies um das Angebot zu verbessern. Mehr Informationen

Mastdarmkrebs

Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) ist eine Sonderform des Dickdarmkrebses, an der jährlich in Deutschland etwa 15 Menschen pro 100.000 Einwohner erkranken. Der Altersgipfel liegt im 6. und 7. Lebensjahrzehnt. Hohe Fettzufuhr in der Nahrung, schlackenarme Kost und auch genetische Faktoren sollen eine Rolle bei der Entstehung des Mastdarmkrebses spielen (vgl. auch Dickdarmkrebs).

Zu den Symptomen des Mastdarmkrebses zählen:

  • Beimengung von Blut und/oder Schleim im Stuhl
  • vermehrtes Pressen beim Stuhlgang
  • Leistungsabfall
  • ungewollte Gewichtabnahme
  • Bleistift-dünner Stuhl
  • Gefühl, Stuhlgang nicht vollständig entleeren zu können
Diagnostik

Der Arzt untersucht die Analregion von außen (Inspektion) und tastet den Mastdarm mit dem Untersuchungsfinger ab. Durch eine Mastdarmspiegelung (Rektoskopie) mit einem starren Untersuchungsinstrument können bis zu 20 cm des unteren Darmabschnittes eingesehen werden. Bei diesen Untersuchungen kann die Ausdehnung des Tumors und seine Verschieblichkeit gegen die Unterfläche bestimmt werden. Außerdem können Gewebeproben zur feingeweblichen Untersuchung (Histologie) entnommen werden. Durch diese einfachen Untersuchungen kann in fast allen Fällen eine sichere Diagnose gestellt werden.

Weitere Diagnostik

  • Endosonographie (zur Bestimmung der Tumorausdehnung nach seitlich und zur Beurteilung von Lymphknotenmetastasen)
  • Computertomographie (Tumorwachstum zu Nachbarorganen hin [Scheide, Prostata] zur Beurteilung von Lymphknotenmetastasen sowie zur Beurteilung von Fernmetastasen, z. B. der Leber)
  • Vollständige Dickdarmspiegelung (Koloskopie) erforderlich zum Ausschluss weiterer krankhafter Veränderungen des Dickdarms (Zweittumor)
  • Virtuelle Darmspiegelung (Computertomographie, Magnetresonanztherapie), bleibt Sonderindikationen vorbehalten
  • Positronenmissionstomographie (PET-CT) bei besonderen Fragestellungen, zum Beispiel bei einem wiedergekehrten Tumor (Rezidiv)
Therapie

Die chirurgische Therapie besteht in der vollständigen Entfernung des Tumors mit angrenzenden Abschnitten unter Mitnahme des Lymphabschlussgebietes. Aufgrund der engen anatomischen Nachbarschaft zu Organen wie Scheide, Gebärmutter, Blase und Prostata sowie der Lage des Mastdarms in den engen Strukturen des knöchernen Beckens, ist die Anforderung an die chirurgische Therapie beim Rektumkarzinom deutlich höher als beim höher gelegenen Dickdarmkrebs. Dazu kommt die anatomische Nähe zum Schließmuskel, der möglichst erhalten bleiben sollte, um die Stuhlkontrolle (Kontinenz) nicht zu gefährden. Weiterhin durchziehen das Becken komplexe Nervengeflechte, die sowohl für den Stuhlgang als auch für die Sexualfunktion bedeutsam sind. Der Operateur muss sich zwischen den Eckpunkten wünschenswerter Erhalt dieser relevanten Strukturen und der Notwendigkeit der radikalen Operation mit Sicherheitsgrenzen um den Tumor herum entscheiden.

Wie beim Dickdarmkrebs kann auch beim Rektumkarzinom in vielen Fällen eine alleinige Polypabtragung durch das Rektoskop oder das Koloskop bereits ausreichend sein. Eine Sonderform der operativen endoskopischen Tumortherapie ist die TEM, die transanale, endoskopische Mikrochirurgie. Hierbei wird durch ein großes Operationsrektoskop der Tumor unter Mitnahme der vollen Darmwand abgetragen. Durch das Operationsrektoskop erfolgt auch die Vernähung der Entnahmestelle. Das TEM-Verfahren ist aber nur bei sehr kleinen Rektumkarzinomen (T1-Tumoren) sinnvoll, eine Entfernung von Lymphknoten kann hierbei nicht erfolgen.

Der Standardeingriff ist die s. g. „tiefe anteriore Rektumresektion“, bei der von bauchseitig ein etwa 30 - 40 cm langes Darmstück unter Einschluss der tumortragenden Anteile entfernt wird. Die Präparation erfolgt hierbei schraubenförmig in das kleine Becken unter Belassen des vollständigen Gewebemantels (Mesorektum) um den Mastdarm herum. Dieses Verfahren nennt sich „totale mesorektale Exzision, TME“ und hat sich als das onkologisch Sicherste erwiesen. Es gilt deshalb als Qualitätskriterium, fast immer eine TME zu erreichen.

Der Eingriff erfolgt entweder über einen konventionellen Bauchschnitt oder in Schlüssellochtechnik, bei der lediglich für die Bergung des Darmsegmentes eine kleine quere Hautinzision im Slipbereich erforderlich ist. Die Wiederherstellung der Darmkontinuität erfolgt in beiden Fällen durch Klammernahtgeräte, welche durch den After eingeführt werden und über eine „Andruckplatte“ beide Darmenden verbinden.

In besonderen Fällen erfolgt der unterste Teil der Operation durch den After selbst nämlich dann, wenn der Tumor aufgrund seiner großen Nähe zum Schließmuskel besonders sorgfältig von diesem unter Wahrung eines Sicherheitsabstands gelöst werden muss (intersphinktere Dissektion). In solchen Fällen wird die Darmverbindung nach vollständiger Tumorentfernung dann in der Regel durch eine durch den After gestochene Naht vollzogen.

Hat der Tumor bereits den Schließmuskel infiltriert, muss aus onkologischer Sicht auf jeden Fall eine vollständige operative Entfernung des Afters erfolgen, so dass ein endständiger Dickdarmausgang (Anus praeter) erforderlich ist. Durch zunehmende Erfahrung mit der kontinenzerhaltenden Rektumchirurgie ist dieser Eingriff am Klinikum Bielefeld erfreulicherweise jedoch sehr selten geworden.


Was man auch noch wissen sollte

  • Bei komplizierten Mastdarmkrebsoperationen wird zur vorübergehenden Stuhlableitung gelegentlich für 2 -3 Monate ein vorgeschalteter künstlicher Dünndarmausgang angelegt.
  • Ab dem Tumorstadium T3 oder beim Vorliegen von Lymphknotenmetastasen ist eine vorbereitende (neoadjuvante) Radiochemotherapie (Bestrahlung und Krebsmedikamente) erforderlich. Der Tumor spricht in der Regel sehr gut hierauf an, so dass günstigere Voraussetzungen für die Operation geschaffen werden können.
Nachsorge

In vielen Fällen schließt sich postoperativ eine Chemotherapie an. Die weitere Nachsorge hat dann zum Ziel, evtl. auftretende Metastasen frühzeitig zu entdecken und den Darm auf evtl. auftretende Zweitkarzinome zu untersuchen. Diesbezüglich bestehen Empfehlungen der Fachgesellschaften (www.awmf.de), die ein Untersuchungsprogramm für die nächsten fünf Jahre festlegen. Im wesentlich handelt es sich um:

  • körperliche Untersuchung
  • Laboruntersuchung
  • Sonographie (Ultraschall)
  • Koloskopie (Dickdarmspiegelung)
  • Computertomograhie
Metastasen

Einige Patienten haben bereits zum Zeitpunkt der Diagnose des Primärtumors Metastasen, meist in der Leber, gelegentlich auch in der Lunge oder in anderen Organen. Auch diese können heute erfreulicherweise in sehr vielen Fällen therapeutisch angegangen werden. Meist erfolgt dies durch eine operative Entfernung, gelegentlich durch die Abtötung der Metastasen durch Hochfrequenzstrom (Radiofrequenz-Ablation) oder beides in Kombination mit einer Chemotherapie. Auch Lungenmetastasen sind in vielen Fällen operativ vollständig entfernbar, so dass der Nachweis von Metastasen nicht zwangsläufig Unheilbarkeit bedeutet.

Fazit

Der Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom) ist eine typische Tumorerkrankung des alten Menschen, die im Vergleich zum Dickdarmkrebs eine etwas ungünstigere Prognose hat, dafür aber mit einfacheren Mitteln diagnostiziert werden kann. Der Mastdarmkrebs und seine Vorstufen können durch die Vorsorgekoloskopie frühzeitig erfasst bzw. ausgeschlossen werden. Bei der operativen Therapie gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, jeder Einzelfall muss nach anatomischen Gegebenheiten und Besonderheiten des Tumors individuell angegangen werden. Zwar sind sowohl die Diagnostik als auch die Therapie interdisziplinär (Röntgenarzt, Onkologe, Strahlentherapeut), im Vordergrund steht jedoch der kompetente Chirurg, der sich mit verschiedenen operativen Techniken beim Mastdarmkrebs bestens auskennt, um möglichst unter Erhalt des Schließmuskels den Tumor radikal entfernen zu können. Am Klinikum Bielefeld Mitte stehen für diese anspruchsvolle Aufgabe derzeit fünf Chirurgen mit viszeralchirurgischer Zusatzausbildung zur Verfügung.