Diese Webseite benutzt Cookies um das Angebot zu verbessern. Mehr Informationen

Speiseröhre (Oesophagus)

Anatomie

Die Speiseröhre (med. Oesophagus) des erwachsenen Menschen ist ein etwa 25 cm langer muskulärer Schlauch. In ihrem oberen Anteil liegt die Speiseröhre hinter der Luftröhre und vor der Wirbelsäule. Sie ist ein Teil des Verdauungstraktes und dient dem Transport der Nahrung vom Rachenraum in den Magen.

Die Speiseröhre weist drei physiologische Engstellen auf:

  • Die obere Enge wird als Ösophagusmund bezeichnet.
  • Die mittlere Enge kommt durch die Kreuzung des Aortenbogens zustande und wird deshalb auch als Aortenenge bezeichnet.
  • Die untere Enge oder Zwerchfellenge entsteht mit dem Eintritt der Speiseröhre in den Bauchraum durch eine Öffnung des Zwerchfells (Hiatus oesophagei). Sie bildet einen komplexen Verschlussmechanismus, unterer Ösophagussphinkter oder auch Kardia genannt.

Funktion

In der Speiseröhre wird der Nahrungsbissen durch abgestimmte Kontraktionen (Peristaltik) der Längsmuskulatur zur Weiterverarbeitung in den Magen geführt.

Krankheiten der Speiseröhre

Achalasie

Bei der Achalasie ist der untere „Pförtner“-Muskel (Oesophagussphinkter) der Speiseröhre zu kräftig bzw. er kann nicht mehr richtig erschlaffen. Dauert dieser Zustand lange an, so wird die Speiseröhre erheblich aufgeweitet und es kommt zu Passagestörungen.

Die Behandlung besteht in der Regel aus der Einnahme von Medikamenten, der Dehnungen des Ringmuskels oder auch, in schweren Fällen, einer Operation. Hier erfolgt eine Spaltung des Ringmuskels, durchgeführt mithilfe der Schlüssellochchirurgie.

Refluxkrankheit

Die Ursache der Refluxkrankheit ist ein schwacher oder bewegungsgestörter unterer „Pförtner“-Muskel der Speiseröhre. Dadurch kommt es zum Zurücklaufen von Magensäure oder Galle in die Speiseröhre, was als Sodbrennen bezeichnet wird. Dauert die Refluxkrankeit lange an, können Gesundheitsprobleme wie Speiseröhrenentzündungen, Asthma, Engstellungen der Speiseröhre oder sogar Speiseröhrenkrebs auftreten. Die Schleimhaut der Speiseröhre kann sich verändern (Barrett-Schleimhaut) und in dieser können Krebsvorstufen entstehen.

Die Refluxkrankheit kann häufig mit Medikamenten gut behandelt werden. Gelegentlich muss aber auch operiert werden. Dann wird eine so genannte Fundoplikatio durchgeführt. Bei dieser Operation wird mittels Schlüssellochchirurgie aus Magenanteilen eine Manschette am Übergang von Speiseröhre zu Magen gebildet. Diese Manschette (Fundoplikatio) wirkt dann wie ein Ventil.

Gutartige Geschwülste der Speiseröhre

Diese seltenen Tumore sollen möglichst schonend entfernt werden. Die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie bietet dazu eine Ausschälung des Tumors an, die in Schlüsselloch-Technik unter Verwendung von Videooptiken und winzigen Einschnitten über der Brustwand durchgeführt wird.

Wandausstülpung der Speiseröhre (Divertikel)

Besonders bei älteren Patientinnen und Patienten kommt es manchmal zu Wandaustülpungen der Speiseröhre (Divertikel, auch Zenker-Divertikel). Patientinnen und Patienten bemerken Schluckstörungen oder Aufstoßen mit Hochwürgen von unverdauter Nahrung. Medikamente helfen hier wenig, da es ein mechanisches Problem ist. Die Klinik bietet für diese Erkrankung mehrere Operationsmethoden an. Bei bestimmten Divertikeln kann eine Therapie auch über eine Spiegelung und Abtragung des Divertikels mit einem Klammernahtgerät vom Rachenraum aus, ohne Schnitt am Hals, durchgeführt werden. Diesbezüglich besteht eine enge Zusammenarbeit mit der gastroenterologischen und der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Klinikums.

Speiseröhrenkrebs

Patientinnen und Patienten mit Speiseröhrenkrebs (Oesophaguskarzinom) benötigen eine interdisziplinäre Komplexbehandlung, wobei die Operation zur Entfernung des Tumors eine zentrale Bedeutung einnimmt. Die zeitliche Abfolge der Behandlungsschritte ist von großer Bedeutung. Nur ganz frühe Karzinome, die auf die oberste Schleimhautschicht der Speiseröhre beschränkt sind, können gelegentlich über eine Speiseröhrenspiegelung ohne Operation abgetragen werden.

Der Speiseröhrenkrebs ist besonders gefährlich, weil er sich relativ frühzeitig im Körper weiterverbreiten kann und zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) führt. Feingeweblich (histologisch) kann zwischen einem mehr in den oberen Speiseröhrenanteilen gelegenen Plattenepithelkarzinom und einem Adenokarzinom unterschieden werden, welches mehr den unteren Anteil der Speiseröhre befällt und von einer Schleimhaut ausgeht, so wie sie im Magen zu finden ist. Das Plattenepithelkarzinom spricht auf Bestrahlung besser an als das Adenokarzinom (siehe unten). Das Adenokarzinom ist in den letzten Jahren häufiger geworden, das Plattenepithelkarzinom ist seltener geworden. Als Risikofaktoren für das Plattenepithelkarzinom gelten starker Nikotin- und Alkoholkonsum, das Adenokarzinom hingegen entwickelt sich vornehmlich bei fortgesetztem Rückfluss von saurem Mageninhalt in die unteren Teile der Speiseröhre (siehe Refluxkrankheit). Der ständige Reiz aggressiver Substanzen in den unteren Anteilen der Speiseröhre führt zu einer Umwandlung von Plattenepithel in Zylinderepithel (intestinale Metaplasie), aus der sich das Adenokarzinom entwickeln kann. Auch aus diesem Grunde ist die Therapie der Refluxerkrankung und die engmaschige endoskopische Beobachtung dieses Umwandlungsprozesses zur Verhinderung der Krebsentstehung von großer Bedeutung.

In der Regel kommt daher zur Behandlung des Speiseröhrenkrebses eine Vorbehandlung (je nach Art des Tumors: Strahlen- und/oder Chemotherapie) mit anschließender Operation zur Anwendung. Die Vorbehandlung dient zur Schrumpfung des Tumors, er wird damit sicherer entfernbar.

Die Entfernung des Tumors durch Operation ist in der Regel ein großer Eingriff, der mit der Entfernung eines Teils der Speiseröhre und der umgebenden Lymphknoten einher geht. Zur Wiederherstellung der Schluckfunktion wird ein Magen- oder Darmanteil zwischengeschaltet.

Wenn eine Operation nicht möglich oder sinnvoll ist, sind weitere Behandlungsmöglichkeiten verfügbar. Dazu gehört das Einsetzen von beschichteten Hohlkörpern (Stents) über eine Speiseröhrenspiegelung oder der Einsatz von Lasertherapie. Auch können Strahlentherapie und/oder Chemotherapie zum Einsatz kommen.

Die Komplexität der Erkrankung „Speiseröhrenkrebs“ und die Vielzahl der therapeutischen Möglichkeiten machen deutlich, dass Diagnostik und Therapie idealerweise in einer Klinik für Viszeralchirurgie erfolgen. Nur dann kann für den einzelnen Patienten wirklich das Optimum herausgeholt werden. Der meist erforderliche „Zweihöhleneingriff“, nämlich der Zugang vom Bauchraum und Brustraum, erfordert zusätzliche thoraxchirurgische Erfahrung. Auch die Anforderungen an die Anästhesie, namentlich den Einsatz des Doppellumentubus zum einseitigen Kollabieren der Lunge während der Operation und die aufwendige postoperative Betreuung auf der Intensivstation, setzen große Erfahrungen mit komplexen chirurgischen Erkrankungen voraus, wie sie am Klinikum Bielefeld vorhanden sind.