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chronische Schmerzen im Unterbauch

Verwachsungen können mögliche Ursache von chronischen Schmerzen im Unterbauch sein. Im Folgenden sollen Verwachsungen und ihre Behandlungsmöglichkeiten erläutert werden.

Was sind Verwachsungen?

Verwachsungen (Adhäsionen) sind Gewebsbrücken, z. B. im Bauchraum, die Organe unter sich oder mit der Bauchwand an Stellen verbinden, die normalerweise unverbunden sind. Die notwendige Beweglichkeit der Organe (z. B. Darm) wird dadurch eingeschränkt. Verwachsungen bilden sich nach Verletzungen und Entzündungen des Bauchfells, ursächlich hierfür sind meist Operationen. Sie können aber auch nach entzündlichen Erkrankungen, z. B. Eierstock- oder Eileiterentzündungen oder im Rahmen von gutartigen Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometriose), entstehen.

Wie entstehen Verwachsungen?

Ist das Bauchfell verletzt oder durch eine Entzündung geschädigt worden, setzt ein Heilungsprozess wie bei einer normalen Wundheilung der Haut ein. Es bildet sich ein klebriger Belag (Fibrin), der die geschädigte Stelle abdeckt und damit zur Abheilung beiträgt.

Da das Bauchfell alle Organe überzieht, liegen benachbarte Bauchfellmembranen innerhalb der Bauchhöhle, nur durch einen sehr dünnen Flüssigkeitsfilm getrennt, eng gegenüber. Dieser Spalt kann an beschädigten Stellen des Bauchfells durch die Fibrinbildung sehr leicht verkleben.

Normalerweise erneuert sich die beschädigte Membran sehr schnell, das Fibrin wird innerhalb von wenigen Tagen wieder abgebaut und damit die Verklebung beseitigt. Häufig ist jedoch der Abbau verzögert, vor allem nach Operationen. Dies führt dazu, dass in die Verklebung Bindegewebszellen einwandern und sie in eine dauerhafte feste Gewebebrücke umwandeln. Die kritische Zeit dafür sind 4 bis 5 Tage nach einer Operation. Im späteren Verlauf können sich die Adhäsionen, die zunächst dünn und schleierförmig sind, in dichte, z. T. mit Blutgefäßen und Nerven versehene Gewebebänder umwandeln.

Die Ursache für die Verzögerung im Fibrinabbau nach Operationen ist nicht genau bekannt. Offensichtlich gibt es auch individuelle Unterschiede in der Neigung zur Adhäsionsbildung.

Wo entstehen Verwachsungen?

Verwachsungen können nach allen Operationen im Bauchraum entstehen. Sie lassen sich auch bei der sog. Schlüsselloch-Technik (Laparoskopie) nicht vermeiden, obwohl hier die Gewebeverletzungen theoretisch geringer sind.

Zur Schädigung des Bauchfells genügt schon eine leichte Berührung oder Druck, eine geringe Austrocknung oder auch Verschleppung von Wundflüssigkeit in Bauchabschnitte, die von der Operation gar nicht betroffen sind. Verwachsungen können daher nicht nur im eigentlichen Operationsgebiet entstehen, sondern auch in weit entfernten Bauchregionen.

Welche Auswirkungen können Verwachsungen haben?

Die meisten Verwachsungen sind harmlos und beeinträchtigen das Wohlbefinden nicht. Sie können aber auch schwerwiegende Folgen haben, die sich manchmal erst Jahrzehnte nach einer Operation bemerkbar machen.

Im schlimmsten Fall kann eine Verwachsung ursächlich für einen Darmverschluss werden.

Im gynäkologischen Bereich sind die häufigsten Folgen von Verwachsungen Unfruchtbarkeit und chronische Schmerzen im Unterbauch. Schon kleinste Verwachsungen im Bereich des Eierstockes und des Eileiters können zu einer Verschiebung der natürlichen Lage führen, so dass der Eitransport nicht korrekt ablaufen kann und eine Befruchtung verhindert wird. Es wird geschätzt, dass 20 bis 40% der Fälle der sekundären Unfruchtbarkeiten bei Frauen auf Adhäsionen zurückzuführen sind.

Mögliche Auswirkungen von Verwachsungen sind:

  • Unfruchtbarkeit
  • Chronische Schmerzen
  • Darmverschluss

Wie häufig sind chronische Unterbauchschmerzen?

Chronische Unterbauchschmerzen treten häufig zusammen mit Verwachsungen auf, und das Lösen der Verwachsungen bringt in vielen Fällen - zumindest zeitweise - eine Erleichterung.

Die Ursache für den Schmerz scheint die verminderte Beweglichkeit der von Verwachsungen betroffenen Organe zu sein. Der Zug eines Verwachsungsstrangs an einem mit Nerven ausgestatteten, sehr auf ständige Beweglichkeit und Ausdehnung angelegten Organs, wie z. B. Darmschlinge oder Harnblase, kann ohne Zweifel Schmerzen verursachen. Chronische Schmerzen können, wie Patienten vielleicht aus Erfahrung wissen, die Lebensqualität ganz erheblich beeinträchtigen und den betroffenen Menschen psychisch und sozial stark beeinträchtigen.

Wie können Schmerzen durch Verwachsungen behandelt werden?

Sind alle Möglichkeiten der Diagnostik ausgeschöpft und wurden keine anderen Ursachen für die Schmerzen gefunden, so sollten Adhäsionen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Die einzige Möglichkeit Verwachsungen sicher festzustellen und zu beseitigen, ist ein operativer Eingriff. Dieser lässt sich zumeist mit der Schlüsselloch-Technik durchführen. Die Verwachsungen werden durchtrennt (Adhäsiolyse) und evtl. bestehende Blutgefäße in den Strängen verödet. Das Problem ist, dass sich durchtrennte Verwachsungen, trotz sorgfältiger OP-Technik erneut bilden können, da die Wundflächen wiederum Ansatzstellen für die Ausbildung von neuen Verwachsungen darstellen. Dies ist eine Erklärung dafür, dass eine Adhäsiolyse nicht immer oder nur für eine gewisse Zeit weniger Schmerzen bewirkt.

Was kann neben der sorgfältigen Arbeit eines Arztes noch getan werden, um der Ausbildung von Adhäsionen in den kritischen Tagen nach der Operation entgegenzuwirken?

Seit einiger Zeit gibt es die sogenannten Adhäsionsbarrieren, die eine zusätzliche Trennschicht zwischen dem Bauchfellüberzug, der Bauchwand und den Organen bilden und somit die Verklebungs- und Verwachsungsgefahr herabsetzen. Es gibt feste und flüssige Adhäsionsbarrieren.

Feste Adhäsionsbarrieren sind Membranen, die während der Operation auf die Hauptwundfläche aufgebracht werden und dort verbleiben, so dass das Verwachsungsrisiko gezielt an der abgedeckten Stelle reduziert wird. Jedoch können nicht alle beschädigten Stellen geschützt werden. Sie werden meist im Verlauf weniger Wochen wieder abgebaut.

Flüssige Adhäsionsbarrieren verteilen sich im gesamten Bauchraum und erhöhen den Abstand zwischen dem Bauchfellüberzug der Organe und der Bauchwand. Das Verwachsungsrisiko wird daher nicht nur an einer bestimmten Stelle geringer, sondern im gesamten Bauchraum. Darüber hinaus können auch die Organe, vor allem die Darmschlingen, durch die erhöhte Flüssigkeitsmenge besser gleiten und sich bewegen. Jede Bewegung innerhalb des Bauches wirkt einer Verklebung entgegen! Am Ende einer Operation wird ein Liter Flüssigkeit in die Bauchhöhle eingebracht und verbleibt dort über die kritische Zeit der Adhäsionsbildung (4 bis 5 Tage).

Was passiert nach der Operation?

Sind die Adhäsionen operativ gelöst, wird eine Adhäsionsbarriere in die Bauchhöhle eingebracht. Bei flüssigen Adhäsionsbarrieren kann es aufgrund des erhöhten Flüssigkeitsvolumens in den ersten Tagen nach der Operation zu gluckernden Geräuschen in dem Bauch des Patienten kommen.

Dies ist ganz normal und wird nach einige Tagen verschwinden, da die Flüssigkeit mit der Zeit aus der Bauchhöhle in den Blutkreislauf aufgenommen, dort abgebaut und über den normalen Körperstoffwechsel ausgeschieden wird.

Kein Operateur und keine Adhäsionsbarriere kann den Patienten ein vollständiges Ausbleiben der Schmerzen versprechen. Aber die Chance ist gut, dass Verwachsungen bei Vorsorge mit einer Adhäsionsbarriere nur in geringerem Ausmaß entstehen und sich die Schmerzen im Unterbauch bessern oder sogar verschwinden.