Interview mit dem Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Bielefeld Mitte, Dr. Thomas Groß, über das Blitzeisgeschehen in Bielefeld am 1. Februar

Interview mit dem Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Bielefeld Mitte, Dr. Thomas Groß, über das Blitzeisgeschehen am 1. Februar

Gestern war Blitzeis in Bielefeld, wie war die Situation in der ZNA? Hatten Sie viele Patient*innen? Welche Verletzungen haben Sie gesehen?
Durch die extrem vielen Wegeunfälle im morgendlichen Berufsverkehr kamen zu uns ab 7 Uhr massenhaft Patienten, die verunfallt und verletzt waren. Im Zeitraum von 8 Uhr bis 12 Uhr haben wir stündlich 20 bis 25 Patienten in der ZNA aufgenommen. Das entspricht eigentlich dem Patientenaufkommen an einem gut besuchten normalen Tag, an dem wir durchschnittlich 100 Patienten behandeln! Glücklicherweise waren 95% leicht bis mittelschwer verletzt mit Prellungen, Schürfungen, Platzwunden oder Knochenbrüchen. Typsicherweise Aufgrund der Unfallmechanismen (viele Stürze von Fußgängern) Kopfplatzwunden, Radiusfrakturen (Unterarmbrüche) und Oberschenkelhalsbrüche. Aufgrund des hohen Aufkommens von insgesamt 142 verletzten Personen, die wir an dem Tag versorgt haben, folgt nun in den nächsten 10 Tagen eine weitere logistische Meisterleistung: ca. 30 zusätzliche Operationen müssen geplant und durchgeführt werden.

Haben Sie eine vergleichbare Situation schon einmal in Ihrer Berufskarriere erlebt?
Selbst langjährige Mitarbeiter*innen der Notaufnahme haben einen solchen Massenanfall von Verletzten in ihre Berufskarriere am Klinikum noch nie erlebt. Es war eine absolute Ausnahmesituation, die wir nur durch einen großen kollegialen Zusammenhalt über Fachgrenzen hinweg gemeinsam bewältigen konnten.

Wir haben derzeit noch immer die Corona Pandemie, welchen Einfluss hatte das auf die Behandlungssituation.
Glücklicherweise ist die Coronapandemie derzeit durch den Lockdown kontrolliert, so dass wir parallel relativ wenige internistische Patienten zu behandeln hatten. Allerdings kamen natürlich trotzdem Patienten mit anderen, akuten und lebensbedrohlichen Krankheitsbildern wir z.B. Herzinfarkte, die parallel versorgt werden mussten. Teilweise erfolgte entgegen dem üblichen Standard und zur Entlastung der Notaufnahme die Notfallversorgung dieser Patient*innen direkt in den Fachkliniken.

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