Stellungnahme von Klinikum Geschäftsführer Michael Ackermann zur Forderung der DKG nach weiterer Unterstützung der Krankenhäuser

"Der Hilferuf der DKG für finanzielle Ausgleichsunterstützung unserer Krankenhäuser in Deutschland wird auch von mir absolut unterstützt.

Der derzeitige Zustand ist für viele Krankenhäuser bedrohlich und wird ohne Nachbesserungen der gesetzlichen Regelung zur Existenzbedrohung.
Auch wir haben uns in erster Linie der notwendigen Versorgungsaufgabe in der Pandemie von an Covid-19 erkrankten Patienten*innen sowie dringender und nicht aufschiebbarer Notfallversorgungsleistungen verpflichtet gesehen und im guten Glauben auf das Versprechen des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn verlassen „Kein Krankenhaus soll aus der Pandemie wirtschaftlichen Schaden erleiden – Whatever it takes“.
Nun erleben wir leider für den aktuellen Zeitraum ein sehr kompliziertes Regelwerk für 2 ½ Monate womit nur unser Standort Mitte bisher die Bestätigung für Ausgleichszahlungen erhalten hat. Bei genauerem Hinsehen wären auch unsere Basisnotfallversorgungsstandorte „Rosenhöhe“ und „Halle“ auf der niedrigen Grundlage von 75% anspruchsberechtigt. Dieses haben wir auch der Bezirksregierung Detmold schriftlich angezeigt und die abschließende Klärung steht noch aus.

Das Hauptproblem ist jedoch die Unsicherheit ab Februar 2021. Bisher gibt es keinen Rettungsschirm der fehlenden Umsatz ausgleichen würde. Die Pandemie wird uns Krankenhäuser im Jahr 2021 allerdings am längsten beschäftigen, denn der Impfverlauf wird im ersten Halbjahr die Krankenhäuser nicht entlasten. Wir werden weiterhin die schweren Verläufe versorgen, wenn das Alltagsleben ohne Lockdown-Massnahmen erwacht und zunehmend die Bedrohung aus den Köpfen und Verhaltensweisen der Bevölkerung verschwindet.

Damit vorstellbar wird, warum wir die elektiven Leistungen reduzieren, möchte ich Ihnen folgende Beispiele benennen.
Im Klinikum Bielefeld Mitte wurde eine zusätzliche Intensivbeatmungsstation mit 16 Plätzen eingerichtet und seit Anfang November aufgrund der erhaltenen Beatmungsgeräte vom Bund in Betrieb genommen. Um diese Station personell zu betreiben haben wir 5 Operationsäle geschlossen und mit über 20 Anästhesie- und OP-Pflegekräften aus diesem Bereich täglich im 3-Schicht-Betrieb besetzt. Durch Schließung dieser Operationssäle können täglich 18-20 Operationen nicht stattfinden, was im Monat 400 Operationen betrifft.

Unsere Normalstationen können wir aufgrund von Abstands- und Hygieneregeln nicht vollständig belegen, aufgrund Einzelisolation. In unseren Standorten versorgen wir seit Anfang November wieder täglich über 80 an Covid-19 erkrankten Patienten*innen mit deutlich höherem Personaleinsatz und Isolations- und Hygieneaufwand.

Hätten wir die zusätzliche Covid-Intensivstation nicht betreiben sollen? Hätten wir in der Pandemieversorgung unsere Versorgungsstruktur nicht ändern sollen? Natürlich nicht … aber trotzdem wird der finanzielle Schaden von der Politik nicht angemessen ausgeglichen bzw. in 2021 bisher gar nicht!

Das ist nicht mehr zu vermitteln und wir fordern hier mit allen Kräften, dass das Gesundheitsministerium einlenkt und nachbessert. Auch unsere Mitarbeiter*innen wollen mit einem guten Gefühl diese Pandemieversorgungsaufgabe weiter meistern und haben auch von der Politik Unterstützung verdient!“

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