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Cochlea Implantat

Taub - trotzdem Hören

Im Folgenden sind alle Informationen zum “Cochlea Implantat“, kurz CI genannt, aufgeführt. Die mögliche Versorgung, die Grundlagen der Funktionsweise des CI, die Voraussetzungen für eine mögliche Implantation sowie der klinische Ablauf der Voruntersuchungen, der Operation, der Nachsorge und Rehabilitation in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie des Klinikums Bielefeld werden genauer erläutert.

Das Cochlea Implantat ist eine Innenohrprothese, die es Menschen mit einer hochgradig, bis an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit ermöglicht, wieder zu hören. Das Wort “cochlea“ stammt aus dem lateinischen und bedeutet Schnecke. Wie der Name schon sagt, wird das Implantat in die Hör-Schnecke, also in das Innenohr eingesetzt.

Grundsätzlich kommen Patienten aus verschiedenen Personengruppen, die sich in dem Zeitpunkt der Ertaubung unterscheiden, für eine Implantation in Frage:

  • Prälingual, d. h. vor dem Spracherwerb ertaubte Kinder. Die Implantation erfolgt hier meist früh im ersten Lebensjahr
  • Perilingual, d. h. während des Spracherwerbs ertaubte Kinder,
  • Postlingual, d. h. nach dem Spracherwerb ertaubte Erwachsene,
  • Prälingual, d. h. vor dem Spracherwerb ertaubte Erwachsene

Die Ertaubungsdauer spielt besonders bei den post- und prälingual ertaubten Erwachsenen eine große Rolle.

Aufbau und Funktionsweise des Cochlea Implantats

Aufbau des Cochlea Implantats
Das CI besteht aus zwei Elementen:

Die interne Komponente wird während einer ca. zweistündigen Operation unter die Kopfhaut implantiert. Dieser Teil besteht aus dem Empfänger und einer Elektrode. Die Elektrode wird während der OP in die Hörschnecke eingeführt.

Der äußere Teil besteht aus dem Sprachprozessor mit der Energieversorgung und der Sendespule. Der Sprachprozessor wird wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen. Die Sendespule hält durch einen Magneten am Kopf auf der Höhe des implantierten Empfängers.

Die Farbe kann dabei, je nach Hersteller, aus verschiedenen Mustern vom Patienten ausgewählt werden.

 

Funktionsweise des Cochlea Implantats
Anders als ein Hörgerät, welches den aufgenommenen Schall verstärkt, ersetzt ein CI funktional das Ohr. Damit ist das CI keine Hörhilfe, sondern eine Hörprothese. Sprache und Geräusche werden über ein Mikrofon am Sprachprozessor aufgenommen. Der Sprachprozessor wandelt dieses Signal in eine Abfolge von elektrischen Impulsen um. Über die Sendespule, welche magnetisch an dem Empfänger hält, wird diese Information durch die Haut an das Implantat weitergeleitet. Die einzelnen Elektroden in der Hörschnecke geben den vorher berechneten Strom ab und stimulieren so direkt den Hörnerven. Damit umgeht das CI die Funktion von Außen-, Mittel- und Innenohr.

Im unteren Bereich der Hörschnecke werden die hohen Töne verarbeitet. Im oberen Bereich dagegen die tieferen Töne.

Durch die elektrischen Stimulationen des CI an verschiedenen Orten innerhalb der Hörschnecke können CI Träger verschiedene Tonhöhen wahrnehmen. Die oberste Elektrode, die als erste in die Hörschnecke eingeführt wird, löst tiefe Hörwahrnehmungen aus, die unterste Elektrode dagegen hohe Höreindrücke.

Medizinische Voraussetzungen für das Cochlea Implantat

Damit ein CI implantiert werden kann, müssen bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sein. Die erste grundlegende Indikation für ein CI ist eine vorliegende beidseitige, hochgradige, bis an Taubheit grenzende Innenohrschwerhörigkeit. Das bedeutet, dass der Hörnerv sowie das zentrale Hörsystem funktionsfähig sein müssen. Die Mittelohrstrukturen müssen ebenfalls für die Elektrodeneinführung geeignet sein. Zusätzlich muss festgestellt werden, dass der Patient/ die Patientin trotz optimal angepasster, konventioneller Hörhilfen keine ausreichende Sprachverständlichkeit erlangt. In der Begutachtungsanleitung Schwerhörigkeit (2004) gilt als Anhaltspunkt für die Indikation einer CI Versorgung, dass auf dem besser hörenden Ohr ein Hörverlust von mehr als 95 dB (SPL) bei 1 kHz im Reintonaudiogramm ermittelt werden muss. Das sprachaudiometrische Indikationskriterium zur CI Versorgung liegt mit optimal angepassten Hörgeräten bei maximal 40% Einsilberverstehen bei 65 dB SPL im Freifeld.

Voruntersuchung

Um festzustellen, ob ein Patient / eine Patientin für eine Cochlea Implantation in Frage kommt, erfolgt in der HNO Ambulanz die erste Untersuchung und Anamnese nach Überweisung durch einen niedergelassenen HNO-Arzt. Diese umfassen die gesamte audiologische Diagnostik des Mittelohres, des Innenohres und des Hörnerven. Wichtig dabei ist auch die Überprüfung des Sprachverstehens mit Hörgeräten. Zusätzlich werden bildgebende Verfahren wie ein CT (Computertomogramm) und ein MRT (Kernspintomogramm) durchgeführt, um die Anatomie des Ohres zu überprüfen.

In einem persönlichen Gespräch wird darüberhinaus alles über die Operation und die sich anschließende erforderliche Therapie erläutert.

Nach der Indikationsstellung erfolgt die Kontaktaufnahme mit der Krankenkasse durch den behandelnden Arzt in der Klinik um die Kostenübernahme zu klären. Nach positiver Rückmeldung kann der Termin für die stationäre Aufnahme zur Operation abgesprochen werden.

Operation und Nachsorge

Operation
Einen Tag vor der OP erfolgt die stationäre Aufnahme im Klinikum. Die OP selbst wird unter Vollnarkose durchgeführt. Über einen Schnitt hinter dem Ohr wird das Implantat unter den Muskel der Kopfhaut in eine gebohrte Knochenvertiefung gelegt. Die Elektrode wird durch eine Verbindung zum Mittelohr in die Hörschnecke eingeführt. Noch während der OP wird die Funktionsweise des Implantates überprüft, indem der Hörnerv über das CI stimuliert wird und die Antwort des Hörnervs aufgezeigt wird.

Bei normalem Verlauf erfolgt die Entlassung meist ca. 5 Tage nach der Operation. Die Kontrolle der Wundheilung sowie das Entfernen der Nähte kann durch den niedergelassenen HNO Arzt erfolgen.

Nachsorge
Nach ca. 6 Wochen erfolgt zum ersten Mal die Anpassung des Sprachprozessors durch einen Audiologen in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. Dabei werden die Ströme für die einzelnen Elektroden individuell eingestellt. Zu Beginn der Nachsorge sind diese einzelnen Termine in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie wöchentlich. Nach dieser ersten intensiven Phase der Nachsorge erfolgen die Termine seltener, bis der Patient/ die Patientin nur noch halbjährlich bzw. jährlich zur Kontrolle und Beratung in die Klinik kommt. Bei diesen Terminen wird auch über eventuelle Neuerungen informiert.

Zusätzlich zu den einzelnen Terminen in der HNO-Klinik werden ambulante Termine mit einem Logopäden vereinbart. Dazu wird ein Rezept für Logopädie von dem betreuenden, niedergelassenen HNO-Arzt benötigt. Dies ist notwendig, da das Hören über das CI neu erlernt werden muss. Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine stationäre Reha möglich.

Falls Probleme mit dem CI oder einzelnen Bauteilen auftreten, können Patienten sich selbstverständlich jederzeit sofort an die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie wenden. Liegt bei einem externen Bauteil ein Defekt vor, wird dieses schnell und problemlos ausgetauscht.

Erwartungen

Sehr wichtig für die sich anschließende Nachsorge ist die Erwartungshaltung des Patienten. Vor der Implantation sollte ihm / ihr bewusst sein, dass ein CI das Gehör nicht vollständig ersetzt. Bei der Erstanpassung beschreiben viele Patienten das Hören mit CI als eine Art unverständliches Piepen. Dieses Piepen wird oft als störend empfunden. Hier muss der Patient jedoch lernen, dass dieses „Piepen“ durch natürliche Geräusche entsteht, die vorher nicht gehört wurden, weil sie zu leise sind. Beispielsweise Schritte, Vogelgezwitscher, Windgeräusche, das Piepen der Mikrowelle usw. werden so wahrgenommen. Mit der Zeit gewöhnt sich das Gehirn an den neuen Klang, sodass dieser als ganz natürlich wahrgenommen wird.

Das Erkennen von Sprachmustern und das Verstehen von gesprochener Sprache muss mit einem CI erst wieder erlernt werden und ist oft ein mühsamer Prozess. Aus diesem Grund ist die Hör-Rehabilitation, durch zum Beispiel Logopäden, unerlässlich. Der Erfolg, der mit einem CI erreicht werden kann, ist individuell sehr verschieden. Viele Patienten erreichen ein gutes Sprachverstehen in Ruhe und können sogar telefonieren. Das Verstehen bei Störgeräuschen ist allerdings für viele Patienten ein Problem. Hilfsmittel wie das Lippenablesen oder FM-Anlagen sind daher auch mit einem CI von Vorteil.

Faktoren, die den Erfolg beeinflussen, sind unter anderem die Ertaubungsdauer, frühere Hörerfahrungen und die Einstellung des Sprachprozessors. Andere Faktoren können Patienten dagegen selber beeinflussen wie zum Beispiel ein intensives Hörtraining, die eigene Motivation oder eingesetzte Hilfsmittel wie das Lippenlesen.

Weltweit gibt es ca. 130.000 CI Träger, alleine in Deutschland leben über 20.000 und jährlich kommen mittlerweile fast 2000 hinzu. Falls der Kontakt zu anderen CI Patienten gewünscht ist oder weitere Fragen bestehten, sind weitere Informationen im Klinikum Bielefeld oder auf den folgenden Internetseiten erhältlich:

www.cochlear.de
Hersteller von Cochlea Implantaten

www.medel.de
Hersteller von Cochlea Implantaten

www.dcig.de
Seite der deutschen Cochlear Implant Gesellschaft

www.hoerrohr.org
Seite des deutschen Schwerhörigenbundes in Bielefeld

Für weitere Fragen stehen Ihnen Prof. Dr. Dr. Holger Sudhoff, Dr. Lars-Uwe Scholtz und Diana Brökel zur Verfügung.
Bitte richten Sie Ihre Anfragen an: hoerzentrum-owl@klinikumbielefeld.de